1. Warum gerade jetzt Open-Source-Telemedizin?
Telemedizin hat sich von einer Nischenalternative zu einem Kernbestandteil der modernen Gesundheitsversorgung entwickelt. Nach dem starken Anstieg während der Pandemie wächst der Markt weltweit nachhaltig weiter, da Fernbehandlung zunehmend Teil der normalen medizinischen Praxis wird.
Für NGOs, Public-Health-Programme und Spitäler (insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen) passen proprietäre SaaS-Telehealth-Tools oft nicht:
- Daten müssen unter Umständen im Land oder in einem bestimmten Gesundheitsnetz bleiben.
- Offline- oder Umgebungen mit geringer Bandbreite sind häufig.
- Langfristige Lizenzkosten sind schwer zu tragen.
- Lokale Anpassung und Integration in bestehende EPD/KIS sind unerlässlich.
Open-Source-Telemedizinplattformen beantworten diese Anforderungen: Sie können selbst hosten, den Code prüfen, Abläufe anpassen und bei Bedarf mit lokalen oder regionalen Technologiepartnern statt mit einem einzigen Anbieter arbeiten.
Dieser Leitfaden konzentriert sich ausschliesslich auf Open-Source-Software für echte klinische Telekonsultationen, nicht auf allgemeine Videokonferenz-Tools wie Jitsi Meet, BigBlueButton oder Nextcloud Talk. Diese eignen sich für Meetings oder Zusammenarbeit, bieten aber nicht die klinische Struktur, die medizinische Versorgung erfordert. Ein konformer Telekonsultationsablauf braucht typischerweise virtuelle Wartezimmer, Patientenidentifikation, strukturierte klinische Dokumentation, sicheren Dateiaustausch und die Integration in elektronische Patientendossiers. Generische Video-Tools bieten diese Funktionen nicht von Haus aus und können daher allein keine vollständige, nachvollziehbare und medizinisch angemessene Fernkonsultation leisten.
2. Wie wählt man eine Open-Source-Telemedizinplattform?
Die Wahl einer Telemedizinplattform ist nicht nur eine technische Entscheidung – sie bestimmt, wie Versorgung erbracht wird, wer teilnehmen kann und ob das System in Ihrer Umgebung zuverlässig funktioniert. Bevor Sie konkrete Tools betrachten, sollten Sie klären, welche Art von Telemedizin Sie wirklich brauchen und unter welchen Rahmenbedingungen Ihre Organisation arbeitet. Diese Faktoren bestimmen direkt, welche Plattformen passen und welche früh ausscheiden.
2.1 Das klinische Modell klären
Möchten Sie direkte Arzt-Patienten-Telekonsultationen durchführen? Dann brauchen Sie Software, die die wesentlichen Elemente einer Konsultation abdeckt: virtuelle Wartezimmer, Patientenidentifikation, sichere Kommunikation und grundlegende klinische Dokumentation.
Arbeiten Sie nach einem Hub-and-Spoke-Modell mit Community Health Workers (CHWs)? Dann muss die Plattform Store-and-Forward-Datenerfassung, Offline- oder Low-Bandwidth-Nutzung, einfache mobile Oberflächen und die Weiterleitung von Fällen an entfernte Behandelnde unterstützen.
Planen Sie ein Fernmonitoring von Patienten (RPM)? Dann brauchen Sie Tools, die sich mit Medizingeräten verbinden, Vitalwerte erfassen und Monitoring-Dashboards für Behandelnde bereitstellen.
2.2 Bestehende Systeme prüfen
Wenn Sie bereits ein EPD/KIS wie OpenMRS, OpenEMR, GNU Health, ERPNext Healthcare oder OpenClinic GA betreiben, brauchen Sie womöglich ein eigenes Telekonsultations-Frontend, das sich sauber in Ihre bestehenden Akten integriert, um Doppelerfassung und Fragmentierung zu vermeiden.
Ohne EPD/KIS ist eine Plattform mit integrierter Dokumentation oder Patientenverwaltung möglicherweise vorzuziehen.
2.3 Konnektivität und Geräte berücksichtigen
Arbeiten Sie mit geringer Bandbreite oder gemeinsam genutzten Praxiscomputern, wählen Sie eine Plattform, die für instabile Netze und bescheidene Hardware optimiert ist.
Nutzen CHWs vor allem günstige Android-Geräte, wählen Sie Tools für mobile Datenerfassung mit einfachen Oberflächen.
Treten Patienten mit dem eigenen Telefon ohne App-Installation bei, setzen Sie auf Browserzugang und Beitritt mit einem Klick.
2.4 Compliance und Hosting-Anforderungen prüfen
Müssen Sie HIPAA, DSGVO, PHIPA/PIPEDA, das Schweizer DSG oder nationale Vorgaben zur Datenresidenz einhalten, stellen Sie sicher, dass die Plattform Selbst-Hosting oder den Betrieb in einem Rechenzentrum des Gesundheitsministeriums oder des Spitals erlaubt. Externes Routing oder Hosting im Ausland ist unter Umständen rechtlich unzulässig.
2.5 Lokalisierung und Support bedenken
Umfasst Ihr Projekt mehrere Sprachen oder nicht-lateinische Schriften, wählen Sie Plattformen mit solider Lokalisierung.
Sind Ihre Teams auf lokale Schulung oder Unterstützung angewiesen, bevorzugen Sie Software mit regionalen Implementierungspartnern oder starker Community-Dokumentation.
Der Rest des Leitfadens ist danach geordnet, wofür die Software in erster Linie gebaut ist – so vergleichen Sie Gleiches mit Gleichem.
3. Kategorie A – Plattformen mit Fokus auf Telekonsultation
Bei diesen Tools steht die Telekonsultation (Video/Chat) im Zentrum. Sie lassen sich meist in EPD/KIS integrieren, sind aber selbst keine EPD.
3.1 Kurzvergleich
| Software | Schwerpunkt | Typische Nutzer | Lizenz | Hinweise |
|---|
| HCW@Home | Sichere webbasierte Telekonsultationsplattform (Video, Audio, Chat, Dateiaustausch), optimiert für geringe Bandbreite | NGOs, Public-Health-Programme, Kliniken, Spitäler mit institutionellen Telekonsultationen, lokal oder in der Cloud | GPL‑3.0 | Digitales öffentliches Gut; selbst oder vom Anbieter gehostet; HL7-FHIR-APIs; institutioneller Einsatz mit mehreren Behandelnden |
| Intelehealth | CHW-gestützte Telemedizin: CHW erfasst strukturierte Daten offline/bei geringer Bandbreite und verbindet mit entfernten Ärzten | NGOs, Regierungen mit ländlichen oder kommunalen CHW-Programmen | MPL‑2.0 (Kernkomponenten) | Mobile first; optimiert für das ländliche Indien und LMIC; passend, wenn CHWs die Abläufe tragen |
| PAHO All‑In‑One Telehealth (AIOTP) | Open-Source-Telehealth-Suite der PAHO mit Telekonsultations-Frontend und EPD-Modul auf Basis von OpenEMR und Jitsi | Gesundheitsministerien, Public-Health-Programme in Lateinamerika und der Karibik | Open Source, PAHO-Initiative | Starke Option in Amerika für eine von der PAHO getragene Architektur mit OpenEMR |
| Bisa Health | Mobile/Web-App für Gesundheitsinformationen und Kommunikation mit Ärzten; digitales öffentliches Gut | B2C- oder programmbasierte Telekonsultation, vor allem in Westafrika | MIT | Eher verbraucherorientiert; interessant für nationale oder private App-basierte Programme |
| OpenTeleRehab | Open-Source-Telekonsultationssoftware mit Fokus auf Rehabilitation; digitales öffentliches Gut | Reha-Zentren, Reha-NGOs, öffentliche Reha-Programme | Apache‑2.0 | Keine allgemeine Telemedizinplattform; ideal, wenn Rehabilitation im Zentrum steht |
3.2 HCW@Home
HCW@Home ist eine Open-Source-Telekonsultationsplattform, die speziell für klinische Fernkonsultationen und nicht für allgemeine Videokonferenzen gebaut ist. Sie steht vollständig unter GPL-3.0; Dokumentation und Code sind auf GitHub verfügbar.
Die Plattform bietet WebRTC-Video für geringe Bandbreite, sichere Nachrichten, Dateiaustausch, virtuelle Wartezimmer, Anrufe mit mehreren Teilnehmenden, Mehrsprachigkeit und HL7-FHIR-basierte APIs zur Integration in bestehende EPD und digitale Gesundheitssysteme. Sie ist für Installationen mit Datenresidenz, internem Hosting oder strenger Kontrolle über Patientendaten ausgelegt und als digitales öffentliches Gut anerkannt.
HCW@Home passt gut, wenn:
- Sie bereits ein EPD/KIS betreiben und eine eigene Telekonsultationsschicht brauchen
- Selbst-Hosting (lokal oder in einer nationalen Cloud) erforderlich ist
- die Bandbreite schwankt oder gemeinsam genutzte Geräte und mobiler Zugang berücksichtigt werden müssen
Weniger geeignet ist sie, wenn CHWs den Konsultationsablauf steuern oder Reha-spezifische Funktionen nötig sind.
3.3 Intelehealth
Intelehealth ist für kommunale Telemedizinprogramme konzipiert, vor allem in ländlichen und ressourcenarmen Regionen, in denen Community Health Workers eine zentrale Rolle spielen.
Die mobile App ermöglicht CHWs, strukturierte Patientendaten offline oder bei geringer Bandbreite zu erfassen, mit einem Server zu synchronisieren und Fälle zur Beurteilung, Beratung oder Verschreibung an entfernte Behandelnde weiterzuleiten. Video kann ergänzt werden, die Stärke liegt aber in der geführten Datenerfassung und strukturierten Grundversorgungsabläufen. Der Quellcode ist öffentlich, zum Beispiel die FHW-Mobile-App.
Intelehealth ist eine gute Wahl, wenn:
- CHWs – nicht Patienten – der wichtigste Einstiegspunkt sind
- Konsultationen klinischen Protokollen oder Entscheidungshilfen folgen müssen
- die Verbindung unzuverlässig ist oder Offline-Abläufe nötig sind
Es ersetzt kein vollständiges Telekonsultationssystem für Spitäler oder Kliniken, ergänzt diese aber in kommunalen Versorgungsmodellen.
3.4 PAHO All-In-One Telehealth Platform (AIOTP)
Die PAHO All-In-One Telehealth Platform ist ein Open-Source-Stack für Telehealth und EPD, entwickelt von der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation für Public-Health-Einsätze in Amerika. Er umfasst:
- ein Telekonsultations-Frontend
- ein EPD-Backend auf Basis von OpenEMR
- integrierte Abläufe für Patientenverwaltung und Nachsorge
- Implementierungsleitlinien gemäss den Digital-Health-Empfehlungen der PAHO
AIOTP ist besonders relevant für Gesundheitsministerien oder regionale Programme, die eine fertige Architektur suchen, die Telehealth mit einem einfachen EPD unter einer gemeinsamen Governance verbindet. Sie ist eine stimmige Option, wenn:
- ein nationaler oder regionaler Einsatz nötig ist
- Telekonsultation eng an die klinische Dokumentation gekoppelt sein muss
- eine PAHO-konforme Lösung institutionelle Sicherheit gibt
3.5 Bisa Health
Bisa Health ist eine patientenorientierte Telehealth-App aus Ghana und als digitales öffentliches Gut anerkannt. Sie bietet Gesundheitsinformationen und Kommunikation mit Behandelnden über eine mobile oder Web-Oberfläche.
Der Fokus liegt auf direktem Patientenengagement statt auf Abläufen für Behandelnde. Sie wird typischerweise in B2C- oder nationalen Public-Health-Programmen eingesetzt, in denen Patienten Konsultationen selbst starten. Sie passt gut, wenn:
- eine öffentlich zugängliche Telehealth-App angeboten werden soll
- das Programm grosse Bevölkerungsgruppen erreicht, auch mit geringer digitaler Kompetenz
- die Abläufe auf Seite der Behandelnden wenig komplex sind
Sie ist nicht als Telekonsultationstool für klinische Teams mit strukturierten Abläufen, Wartezimmern oder EPD-Integration gedacht.
3.6 OpenTeleRehab
OpenTeleRehab ist eine Open-Source-Plattform für Telerehabilitation, als digitales öffentliches Gut anerkannt und speziell für Physiotherapie und Rehabilitation aus der Ferne konzipiert. Sie unterstützt angeleitete Übungen, Verlaufskontrolle und die Verwaltung von Reha-Protokollen.
Da sie auf Rehabilitation und nicht auf allgemeine Telekonsultation ausgelegt ist, sollte sie gewählt werden, wenn Therapieabläufe im Zentrum stehen – nicht für allgemeine medizinische Konsultationen.
4. Kategorie B – EPD/KIS-Systeme mit Telehealth-Funktionen
Diese Systeme sind vollständige Patientendossiers oder Spitalsysteme, die um Telekonsultation erweitert werden können. Sie sind nicht «nur» Telemedizin-Tools, sondern decken Aufnahme, Behandlungen, Verordnungen, Abrechnung usw. ab.
4.1 Kurzvergleich
| Software | Typ | Telehealth-Funktionen | Typische Grösse | Hinweise |
|---|
| OpenEMR | ONC-zertifiziertes EPD + Praxisverwaltung | Integriertes Comlink-Telehealth-Modul für Videobesuche; zudem durch die AIOTP der PAHO erweitert | Praxen bis Mehrstandort-Gruppen | Stark für die USA und Mehrfachspezialitäten-Kliniken; aktive Community; viele Anbieter |
| OpenMRS | EPD-Plattform (Baustein), in LMIC weit verbreitet | Telemedizin über eigene Module und Distributionen; oft mit Jitsi oder anderen Videoplattformen kombiniert | Nationale / regionale Implementierungen | Sinnvoll, wenn Sie bereits in OpenMRS investieren; Telehealth meist über Distributionen (z. B. Bahmni) oder Eigenentwicklung |
| Bahmni | OpenMRS-basiertes EPD + Spitalsystem; digitales öffentliches Gut | Integrierte Telekonsultation mit Jitsi; Terminplanung und Benachrichtigungen für Videobesuche | Spitäler und Gesundheitszentren in ressourcenarmen Umgebungen | Starke All-in-one-Lösung für LMIC-Spitäler, die EPD und Telekonsultation brauchen |
| GNU Health | Spitalverwaltung / EPD / Gesundheitsinformationssystem; digitales öffentliches Gut | Telemedizin-Szenarien über sein KIS und die Föderation | Spitäler, öffentliche Gesundheitssysteme | Passend, wenn Spital, Public Health und Sozialmedizin in einem Stack vereint sein sollen |
| ERPNext Healthcare (Frappe Healthcare) | Healthcare-Modul auf dem ERP ERPNext | Telemedizin-Termintypen; integrierbar mit Telemedizinplattformen / WebRTC-Lösungen | Privatspitäler, Klinikgruppen | Interessant für ein vollständiges ERP (Lager, Abrechnung, HR) mit klinischen Modulen und massgeschneiderter Telehealth-Integration |
| OpenClinic GA | Open-Source-Spitalinformationssystem; digitales öffentliches Gut | Module für Telekonsultation und Tele-Expertise, integriert in Spitalabläufe | Spitäler in Afrika und anderen LMIC | Gute Wahl für ein als DPG gelistetes KIS mit integrierter Telekonsultation/Tele-Expertise |
4.2 OpenEMR und Telehealth
OpenEMR ist eines der am weitesten verbreiteten Open-Source-EPD und Praxisverwaltungssysteme, ONC-zertifiziert und mit kommerziellen Supportangeboten. Telehealth-Optionen:
- Das Comlink-Telehealth-Modul in OpenEMR 7.x für integrierte Videobesuche direkt im EPD.
- Die AIOTP der PAHO, die OpenEMR für Telehealth in Amerika erweitert und ein eigenes, auch unabhängig nutzbares Telehealth-Modul ergänzt.
Wenn Sie ein vollständiges EPD mit Abrechnung, Labor, Verordnung und Mehrsprachigkeit wollen, ist OpenEMR ein guter Ausgangspunkt – Telehealth wird so zur Funktion statt zu einem separaten Produkt.
4.3 Bahmni und Telekonsultation
Bahmni ist ein Open-Source-EPD + KIS auf Basis von OpenMRS, Odoo und weiteren Komponenten, konzipiert für Spitäler in ressourcenarmen Umgebungen und ebenfalls als digitales öffentliches Gut anerkannt. Neuere Arbeiten haben eine strukturierte Telekonsultation ergänzt:
- In Bahmni geplante Telekonsultationstermine mit an Patienten versandten Links.
- Video über Jitsi; für den Produktivbetrieb wird selbst gehostetes Jitsi empfohlen.
- Docker-basierte Installationen und eine cloudfreundliche Distribution «Bahmni Standard».
Wenn Ihre Priorität ein spitaltaugliches EPD für ressourcenarme Umgebungen ist und Telekonsultation als integrierter Ablauf statt als separate App laufen soll, ist Bahmni ein starker Kandidat.
4.4 GNU Health
GNU Health ist ein KIS/EPD des GNU-Projekts mit starkem Fokus auf Public Health und Sozialmedizin, eingesetzt von Regierungen und Spitälern und als digitales öffentliches Gut anerkannt. Es bietet:
- EPD, Spitalverwaltung, Laborinformationssystem und Public-Health-Überwachung in einem Ökosystem.
- Eine Architektur, die für Telemedizin genutzt werden kann (z. B. Pilotprojekte in Afghanistan und anderen Ländern), meist durch Ergänzung von Kommunikationstools mit GNU Health als klinischem und administrativem Rückgrat.
Wählen Sie GNU Health, wenn Sie Spital, Public Health und Steuerungsdaten in einem System vereinen wollen und bereit sind, den Telekonsultationsablauf darum herum zu gestalten.
4.5 ERPNext Healthcare (Frappe Healthcare)
ERPNext ist ein Open-Source-ERP; sein Healthcare-Modul (oft Frappe Healthcare genannt) bietet Patienten-, Termin-, Abrechnungs- und klinische Abläufe und ist auf Erweiterung ausgelegt. Zu Telehealth:
- Installationen konfigurieren «Telemedizin» oft als eigenen Termintyp mit zugehörigen Abrechnungscodes.
- Implementierungspartner verbinden ERPNext mit WebRTC- oder anderen Telehealth-Plattformen, sodass Ärzte Videoanrufe direkt aus dem Termin starten.
ERPNext Healthcare eignet sich, wenn Sie ein ERP für alles (Finanzen, Lager, HR, Apotheke, Labor) wollen und bereit sind, in eine massgeschneiderte Telehealth-Integration zu investieren.
4.6 OpenClinic GA
OpenClinic GA ist ein Open-Source-Spitalinformationssystem, als digitales öffentliches Gut anerkannt. Es deckt Administration, Klinik, Labor, Apotheke, Radiologie und mehr ab und enthält Module für Telekonsultation und Tele-Expertise. Besonders relevant ist es, wenn Sie:
- in Afrika oder Lateinamerika tätig sind, wo OpenClinic GA bereits genutzt wird
- ein als DPG gelistetes KIS wollen, das Telekonsultation und Tele-Expertise von Grund auf enthält
5. Kategorie C – Telehealth-Apps für Patienten
Diese Projekte richten sich in erster Linie an Patientinnen und Patienten statt an Kliniken.
- Bisa Health – mobile und Web-App aus Ghana, über die die Öffentlichkeit Gesundheitsinformationen erhält und mit Ärzten kommuniziert; als digitales öffentliches Gut anerkannt, Quellcode auf GitHub.
Solche Apps können Ihre institutionelle Telemedizin ergänzen, etwa als gebrandete Patienten-App für nationale oder regionale Programme.
6. Wo steht HCW@Home im Vergleich?
Ohne zu übertreiben, sieht eine realistische Einordnung so aus:
- Brauchen Sie eine reine Telekonsultationsschicht, die sich vor viele Systeme setzen lässt (OpenMRS, OpenEMR, GNU Health, ERPNext, DHIS2 usw.), ist HCW@Home gut geeignet: Open Source und als DPG anerkannt, WebRTC-Video für geringe Bandbreite und verschlüsselter Chat, HL7-FHIR-basierte APIs.
- Ist Ihr Hauptproblem «Wir haben noch kein EPD/KIS», ist es oft besser, zuerst ein EPD/KIS (OpenEMR, Bahmni, GNU Health, OpenClinic GA) als klinisches Rückgrat zu wählen und dann HCW@Home oder eine vergleichbare Telekonsultationsschicht darauf aufzusetzen.
- Sind Sie CHW-zentriert mit schlechter Konnektivität, ist Intelehealth als Hauptplattform meist passender; eine spätere Integration mit institutionellen EPD oder Telekonsultationstools bleibt möglich.
7. Praktische Rezepte für typische Organisationen
Diese Muster sind bewusst allgemein gehalten; die konkrete Wahl hängt von Land, Partnern und Budget ab.
NGO mit ländlicher Arbeit durch CHWs und gelegentlicher Fachunterstützung
- Basis: Intelehealth (CHW-App + Ärzte-Dashboard)
- Optional: HCW@Home als Videoschicht für Fälle, die Live-Konsultationen mit mehreren Beteiligten brauchen
- Später: Integration mit OpenMRS oder Bahmni beim Übergang zu einem EPD in Einrichtungen
Bezirksspital in ressourcenarmer Umgebung, das EPD und Telekonsultation braucht
- Basis: Bahmni oder OpenClinic GA als Spitalsystem
- Telekonsultation: das integrierte Bahmni-Modul (auf Jitsi-Basis) oder eine eigene Plattform (HCW@Home), verbunden über FHIR oder eigene APIs
Nationales Programm in Amerika, das eine von einer multilateralen Organisation getragene Referenzarchitektur sucht
- Basis: OpenEMR, angepasst an nationale Abläufe
- Telehealth: EPD- und Telehealth-Module der PAHO-AIOTP, betrieben in nationaler Infrastruktur
- Optional ergänzt durch HCW@Home oder andere Tools, wo AIOTP nicht ideal passt
Universitätsspital / regionaler Anbieter mit starkem IT-Team, das ein All-in-one-ERP + KIS will
- Basis: ERPNext mit Frappe Healthcare und/oder GNU Health
- Telehealth: massgeschneiderte Integration zwischen ERPNext/GNU Health und HCW@Home oder einem WebRTC-Stack
8. Nützliche Links